Nachhaltigkeit kennt keine Abkürzung!

20.07.2021 - Mainz - Unternehmensmeldung

Reinhard Schneider (Werner & Mertz) und Daniel Merdes (BOS Deutschland) über Klimaneutralität als vermeintliches Heilmittel

Auf immer mehr Produkten ist es zu lesen, immer mehr Hersteller werben damit, es ist der neue Trend: Klimaneutralität. Die Idee klingt erst einmal vielversprechend: Unternehmen kompensieren ihre CO2-Emmissionen, indem sie beispielsweise Zertifikate kaufen, die umfassende Aufforstungsmaßnahmen versprechen. Ein Euro pro Baum und das Klima ist gerettet – doch ist es wirklich so einfach?

Leider nein! - Da sind sich Reinhard Schneider, Inhaber des Mainzer Reinigungsmittelunternehmens Werner & Mertz, und Daniel Merdes, Geschäftsführer von Borneo Orangutan Survival Deutschland (BOS Deutschland) einig. Im halbstündigen Talk auf der roten Couch sprechen sie über modernen Ablasshandel und darüber, wie die Ziele des Pariser Klimaabkommens wirklich erreicht werden können.

Werner & Mertz-Inhaber Reinhard Schneider (rechts im Bild) im Gespräch mit Daniel Merdes von BOS Deutschland und Moderatorin Hanna Gersmann.Copyright Foto: Werner & Mertz, Fotograf: Mathias Sporn

Ökologischen Fußabdruck reduzieren statt kompensieren

Die „Klimaneutral“-Bestrebungen vieler Unternehmen sehen beide aus mehreren Gründen kritisch:

Erstens locken viele Firmen, die Klima-Kompensationen anbieten, mit niedrigen Preisen und unterbieten sich gegenseitig. Doch hier warnt Merdes: „Wenn das Anpflanzen eines Baumes zu billig bepreist ist, dann ist das Angebot wahrscheinlich nicht seriös.“ Statt den Kosten für die Baumbepflanzung sollten Unternehmen eher die Kosten für die Überlebensrate von Setzlingen vergleichen: „Es ist nicht damit getan, den Baumsamen zu pflanzen. Gerade die ersten drei Jahre sind kritisch, hier muss ständig das Wachstum überwacht und gegebenenfalls eingegriffen werden“, so der Geschäftsführer von BOS Deutschland. Die Nachweisbarkeit über das echte Wachstum der Bäume sollte maximal transparent sein, beispielsweise durch Satellitenbilder und Drohnenaufnahmen. Ansonsten bleibe die Kompensation nur eine „schöngerechnete Zahl in der Statistik und moderner Ablasshandel“, ergänzt Schneider.

Er sieht noch ein ganz anderes Problem: Die scheinbar leichte Kompensation der CO2- Emissionen kann dazu verführen, keine Verbesserungen mehr anzustreben, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Aber: „Klimaschutz ist, was im ureigensten Gestaltungsbereich anfangen muss und nach Ganzheitlichkeit streben sollte“, sagt Schneider. Die Firmenphilosophie seines Unternehmens beinhaltet diese ganzheitliche Nachhaltigkeit. Neben hochwertig recyclingfähigen Verpackungen aus Recyclat und Tensiden aus europäischem Anbau setzte Werner & Mertz beispielsweise auch beim Neubau seines Produktionszentrums auf eine nachhaltige Bauweise oder fördert beispielsweise die Elektromobilität der Mitarbeiter*innen. „Echte Nachhaltigkeit kennt keine Abkürzung!“, stellt er klar.

Wie geht echter Klimaschutz?

Das sieht auch Merdes so. BOS Deutschland bietet ebenfalls seit Jahren Wiederaufforstungen an und bekommt in letzter Zeit vermehrt Anfragen von Unternehmen. Doch solche Projekte mit dem Verein sind an Bedingungen geknüpft: „Wir fordern die Firmen auf, direkt in ihre eigenen Lieferketten zu gehen, dort beginnt die Veränderung. Nur wenn Firmen hier transparent und fair Verbesserungsbestrebungen nachweisen können, ist eine Kooperation mit uns möglich“, erklärt Merdes.

Werner & Mertz ist seit 2019 Kooperationspartner von BOS Deutschland und macht sich zusammen mit dem Verein für Biodiversität und den Erhalt des Regenwaldes, dem Lebensraum der Orang-Utans, stark. Als Schneider mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet wurde, hat er sein Preisgeld in Höhe von 250.000 Euro in das Wiederaufforstungsprojekt Mawas von BOS gespendet.

Neben der hohen Umsetzungsquote hat Schneider vor allem überzeugt, dass BOS Deutschland nicht nur die CO2-Reduktion im Blick hat, sondern darüber hinaus auch Biodiversität und Artenvielfalt.

„Wenn Schlüsselspezies wie der Orang-Utan wegfallen, gehen auch viele andere Arten unwiederbringlich verloren, weil der gesamte Kreislauf gestört wird. Deshalb muss bei Aufforstungsprojekten immer auch die biologische Vielfalt mitgedacht werden. Das ist nicht nur aus ethischen Gründen wertvoll, sondern geradezu essenziell für die Zukunft unserer Ökosysteme“, macht Merdes deutlich.

Nur dann könne das 1,5 Grad Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen erreicht werden. Falls nicht, drohen irreversible Auswirkungen – nicht nur auf Orang-Utans und Regenwälder, sondern auf alle natürlichen Systeme inklusive uns Menschen.

Hier gehts zum: Talk auf der roten Couch

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