Nach der Krise gleich vor der Krise?

03.06.2020 - Mainz

Appell des Deutschen Umweltpreisträgers Reinhard Schneider für eine nachhaltige Transformation nach Corona statt Retro-Liberalismus:

Im Zuge der berechtigten Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung haben viele Menschen eine unmittelbare Einschränkung ihrer Freiheitsrechte erleben müssen. Diese schmerzliche Erfahrung hat verunsichert und zeigt, wie labil letztendlich unser Wirtschaftssystem gegenüber derartigen globalen Herausforderungen reagiert. Sehr lange Wertschöpfungsketten haben sich hier besonders störungsanfällig gezeigt. Eine bereits bewährte Möglichkeit, diese Ketten zu verkürzen und gleichzeitig den Raubbau an den natürlichen Ressourcen abzustellen, bietet die Kreislaufwirtschaft!

Die Frage, die Viele umtreibt ist nun, ob ein Wiederaufbau der Wirtschaft die Fehlentwicklungen verhindern kann, die zur bisherigen Anfälligkeit geführt haben. Zahlreiche Wirtschaftsverbände fordern staatliche Unterstützungen ein, die eine Aussetzung und Verringerung von Umweltstandards beinhalten. Getreu dem Motto: Wir brauchen einen ungestörten und ungebremsten Wiederaufbau der alten Strukturen. In meinen Augen ist dies nicht Neo-Liberalismus, sondern eher Retro-Liberalismus.

Reinhard Schneider, Geschäftsführender Gesellschafter Werner & Mertz GmbH © Werner & Mertz / Piel

Interessanterweise zeigen nun aber jüngste Untersuchungen von Europas größtem Marktforschungsinstitut GfK/IRI, dass sich der deutsche Verbraucher bzw. die deutsche Verbraucherin in der Corona-Krise gerade eben nicht von dem Thema Nachhaltigkeit abwenden möchte. Es scheint sich bei den Verbrauchern zumindest schon intuitiv die Einsicht herauszubilden, dass Nachhaltigkeit immer weniger ein Hindernis unseres modernen Konsums ist, sondern gerade nach der Krise die Voraussetzung für Stabilität und damit Sicherheit. Anders als viele Großkonzern-Lobbyisten und manche Politiker erkennen zunehmend mehr Verbraucher/innen bereits jetzt viele Chancen einer ökologischer orientierten Lebensweise, die dazu beiträgt, eine Resilienz gegenüber zukünftigen Krisen zu schaffen. Die GfK/IRI spricht hier von einem Paradigmenwechsel weg von einer „Steigerungslogik“ hin zu einer „Entdeckungslogik (Quelle: Robert Kecskes: IM AUGE DES STURMS - Corona-Shutdown in Wirtschaft und Gesellschaft. Webinar 3. April 2020).

Bezeichnenderweise ist ein ähnlicher Gedankengang vor Corona bereits auf EU-Ebene aufgegriffen worden, im Rahmen des sogenannten Green Deal. Die nun von vielen Verbänden geforderte Aussetzung des Green Deals würde zu einer weiteren Polarisierung der Gesellschaft führen und überdies ein massives Problem spürbar verstärken, für das es keinen Impfstoff geben wird: Der Klimawandel und das beschleunigte Artensterben!

Dass die Berücksichtigung anspruchsvoller Umweltschutzziele nicht zu einer Schwächung der Wirtschaft, sondern zu ihrer Stabilisierung und ihrem Wachstum beitragen kann, wird derzeit schon bei vielen Unternehmen (unter anderem Werner & Mertz) beobachtet. Die Frage ist letztendlich, welchem dieser Wiederaufbauzweige politisch Vorrang gegeben werden soll, oder zugespitzter ausgedrückt: Retro-Liberalismus oder ökologische Transformation?

Wir fordern daher:

  • Klimaschutz, Biodiversität und Kreislaufwirtschaft müssen weiterhin ihre politische Priorität behalten.
  • Die bestehende Gesetzgebung zum Schutz der Umwelt darf nicht abgeschwächt, sondern muss tendenziell verstärkt werden.
  • Die Politik muss den fiskalischen Rahmen setzen für eine mutige, in die Zukunft weisende Energiepolitik (CO2 Bepreisung).

unterzeichnet: Reinhard Schneider

Träger des Deutschen Umweltpreises und Inhaber von Werner & Mertz

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