Das gute Anthropozän kann gelingen
Warum entscheiden intakte Ökosysteme über unsere Zukunft?
Mit dieser Frage beschäftigte sich das 9. Forum Anthropozän
Für Werner & Mertz ist das Thema von zentraler Bedeutung: Denn funktionierende Ökosysteme bilden die Grundlage unseres Lebens und Wirtschaftens. Deshalb setzen wir uns seit Jahrzehnten für den Schutz der Artenvielfalt, den Erhalt der Biodiversität und die Sicherung natürlicher Lebensräume ein.
In unserer Interviewreihe sprechen wir mit führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Naturschutz über die drängenden Fragen unserer Zeit sowie die Herausforderungen und Chancen einer nachhaltigen Transformation.
Die Gespräche zeigen unterschiedliche Perspektiven auf und machen deutlich, dass eine lebenswerte Zukunft nur durch Innovation, Verantwortung und ein neues Verständnis unserer Beziehung zur Natur gelingen kann.
Prof. Hans Joachim Schellnhuber
Warum die Zukunft „High-Tech meets No-Tech “ braucht
Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse – davon ist Hans Joachim Schellnhuber überzeugt. Der renommierte Klimaexperte hat Pionierarbeit in verschiedenen Bereichen der Klimawissenschaften geleistet. Als Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) leitete er das Institut von 1992 bis 2018; zudem war er langjähriges Mitglied des Weltklimarats (IPCC). Heute ist er Generaldirektor des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Österreich. Im Gespräch erläutert Schellnhuber, warum unser heutiges Wirtschaftssystem auf einem überholten Verständnis von Wachstum basiert und weshalb der Wandel hin zu einer vollständig regenerativen Wirtschaft notwendig ist. Neben der Energiewende sieht er insbesondere eine Materialwende als entscheidenden Hebel: weg von fossilen und emissionsintensiven Rohstoffen, hin zu erneuerbaren und regenerativen Materialien.
Seine Vision eines „guten Anthropozäns“ verbindet technologische Innovation mit den bewährten Lösungsstrategien der Natur. Denn die großen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich aus seiner Sicht nur lösen, wenn Hightech-Lösungen und die erfolgreichen Strategien natürlicher Systeme zusammenwirken.
Reinhard Schneider
Kreislaufwirtschaft als Schlüssel für Natur- und Ressourcenschutz
Die Natur macht es seit Millionen von Jahren vor: Sie geht sparsam und hocheffizient mit Ressourcen um und denkt in Kreisläufen. Für Reinhard Schneider, Inhaber von Werner & Mertz, ist genau dieses Prinzip ein entscheidender Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft.
Im Interview spricht er über die Verantwortung von Unternehmen im Anthropozän, den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen und die Frage, wie Produktgestaltung im Sinne der effektiven Kreislaufwirtschaft dazu beitragen kann, Ressourcen zu schonen, CO₂-Emissionen zu reduzieren und Biodiversität zu erhalten.
Dabei wird deutlich: Der Wandel zu einer zukunftsfähigen Wirtschaftsweise gelingt nur, wenn Unternehmen, Politik und Konsument*innen gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Barbara Pucker
Biodiversität als Grundlage lebenswerter Natur
Die Natur verfügt über eine unglaubliche Fähigkeit zur Regeneration und findet immer wieder Wege, sich an Veränderungen anzupassen. Die entscheidende Frage sei jedoch, ob wir Menschen langfristig überleben werden, wenn wir unseren bisherigen Umgang mit der Natur nicht grundlegend verändern, so Barbara Pucker.
Barbara Pucker, Direktorin des Nationalparks Hohe Tauern Kärnten, spricht im Interview über die enge Verbindung zwischen menschlichem Handeln und dem Zustand unserer Ökosysteme. Anhand konkreter Beispiele zeigt sie, wie empfindlich das Gleichgewicht der Natur auf Veränderungen reagiert und welche Folgen der Verlust von Arten für ganze Lebensräume haben kann.
Zudem erläutert sie, warum Biodiversität für stabile Ökosysteme unverzichtbar ist, wie Konsumentscheidungen mit Naturschutz zusammenhängen und weshalb Bewusstseinsbildung eine Schlüsselrolle für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen spielt. Dabei wird deutlich: Der Schutz der Natur ist letztlich auch der Schutz unserer eigenen Zukunft.
Liliana Dagostin
Gemeinsam Verantwortung für alpine Lebensräume übernehmen
„Was wären wir ohne Artenvielfalt?“ Diese Frage stellt Liliana Dagostin ins Zentrum ihres Interviews. Für die Leiterin der Abteilung Raumplanung und Naturschutz beim Österreichischen Alpenverein sind intakte Naturräume weit mehr als schützenswerte Landschaften – sie sind die Grundlage unseres Lebens und ein Ort, der Menschen berührt, inspiriert und verbindet.
Im Interview spricht sie über die Auswirkungen des Klimawandels auf sensible alpine Lebensräume, die Bedeutung nachhaltiger Rohstoffe und die Rolle der Kreislaufwirtschaft für eine zukunftsfähige Entwicklung. Dabei macht sie deutlich, dass der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen nur gelingen kann, wenn Wirtschaft und Naturschutz gemeinsam handeln und die Grenzen natürlicher Ressourcen anerkennen.
Anhand konkreter Beispiele – von Bergwaldprojekten bis hin zu erfolgreichen Kooperationen zwischen dem Alpenverein und Werner & Mertz – zeigt sie, wie nachhaltige Lösungen entstehen können. Ihr Appell: Mehr Bewusstsein für die Endlichkeit unserer Ressourcen und mehr Verantwortung für die einzigartigen Naturräume, die uns umgeben.
Gemeinsames ZEIT-Gespräch
Im ZEIT-Gespräch “CONNECTEDNESS. ZUKUNFTSVERBUNDEN.
Nationalparks im Anthropozän” anlässlich des Forums waren alle vier Gesprächspartner*innen zur Diskussion eingeladen. Mit ihnen saßen Jürgen Schneider (Sektionschef österreichisches Umweltministerium) und Ruedi Haller (Direktor des Schweizerischen Nationalparks) auf der Bühne. Moderiert wurde der Austausch von Fritz Habekuß, DIE ZEIT. Das vollständige Gespräch steht auf der Website des Forum Anthropozän zur Verfügung
Weitere Hintergründe finden sich in unserer Pressemitteilung.
WISSENSWERT:
Als ANTHROPOZÄN (Menschenzeit) wird jene Epoche bezeichnet, in der menschliches Handeln die natürlichen Prozesse der Erde tiefgreifend, dauerhaft und global verändert. Das Forum Anthropozän versteht sich als interdisziplinäre Plattform an der Schnittstelle von Natur, Innovation und Verantwortung. Es bringt Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Kunst in einen gemeinsamen Zukunftsdialog.